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Demenzkranke und Corona – Wie meistern?


Wenn Demenzkranke Menschen nicht mehr sprechen können heißt es nicht, dass sie nicht mehr fühlen können. Im Gegenteil, denn diese Menschen haben außergewöhnliche Antennen und fühlen ganz besonders, was um sie herum passiert. Besonders auf die genaue Beobachtung der Reaktionen bei an Demenzerkrankten Menschen, die darauf ausgerichtet ist die geringsten Veränderungen bei einem Patienten zu erkennen und zu interpretieren, hilft die Methode MarteMeo. Dieser Ansatz ist eine Kommunikations- und Entwicklungsmethode, die mit Hilfe des Mediums ‚Video‘ Beratung und Unterstützung in unterschiedlichsten sozialen Kontexten ermöglicht. Es lohnt sich einmal einen Blick darauf zu werfen.

Wie erkläre ich die außergewöhnliche Situation den kranken Menschen?

Was passiert also genau, wenn Worte ‚sinnlos‘ sind, ohne Bedeutung sind? Was ist, wenn das mit dem Erinnern nicht mehr so gut funktioniert? Wie soll man an Demenz erkrankten Menschen die momentane Situation rund um die Corona-Pandemie erklären? „Die Pandemie und die weltweiten Auswirkungen sollten nicht im Detail den kranken Menschen erörtert werden“, meint dazu Monika Bechtel, die bereits seit Jahren Selbsthilfegruppen für Angehörigen von Demenzkranken leitet und ehrenamtlich für die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. tätig ist. „Solche Ausführungen schüren nur Angst und verunsichern die Betroffenen.“

Hygiene ist außerordentlich wichtig!

Sowohl Angehörige als auch Pflegefachpersonen sollen darauf achten, dass die Rahmenbedingungen „bestmöglich eingehalten werden“. Demenzpatienten brauchen oft länger, um sich an Hygienepraktiken zu erinnern. Dabei kann helfen kann, dass man z.B. gemeinsam die Hände 20 Sekunden lang wäscht und dazu ein bekanntes und beliebtes Lied singt. Ein kleines Lächeln und ein wenig Humor können Wunder bewirken. Vielleicht auch noch ein kleines Tänzchen oder ein paar Gymnastikübungen? Und schon wird aus der lästigen Händewaschpflicht ein humorvolles Stelldichein. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf!

Mundschutz und Schutzkleidung – wichtig, aber auch angsteinflößend

„Dass die Situation derzeit nicht dem Alltag entspricht, spüren Demenzpatienten“, so Bechtel. „Menschen mit Demenz werden unruhig, wenn sie Angst empfinden. Das kann zum Beispiel passieren, wenn vertraute Menschen plötzlich mit Mundschutzmasken die Betreuung übernehmen. Dies kann auch an ein traumatisches Erlebnis in der Vergangenheit erinnern. Doch gerade in solch einer Situation versuchen Sie eine plausible, aber einfache Erklärung zu finden. Wie z.B., dass nun Abstand gehalten werden soll wegen einer Grippewelle und dass der Betreuer sich selbst und die kranke Person davor schützen will.“

Symptomerkennung der Covid-19 Viruserkrankung bei Demenzkranken Menschen:

Besonders wichtig ist gerade jetzt, den Demenzkranken Patienten ausführlich zu beobachten, denn besonders ältere und kranke Menschen gehören zu den Risikogruppen. Wenn also folgende Symptome vorliegen, rufen Sie den Hausarzt oder einen Arzt Ihres Vertrauens an, um sich mit ihm zu beraten, wie man am besten weiter vorgehen soll:

  • Bei Menschen mit Demenz ist zunehmende Unruhe und Verwirrung oft das erste Symptom eines Gesundheitsproblems.
  • Wenn die erkrankte Person immer unruhiger wird, sollten Sie dies als Warnzeichen ernst nehmen und Fieber messen.
  • Bei Symptomen für eine Atemwegserkrankung, wie Husten und/oder Fieber (>38 Grad), egal ob bei Ihnen oder bei der von Ihnen betreuten Person, wenden sich Sie umgehend telefonisch an Fachpersonal / Hausarzt.
  • Als betreuende/pflegende Angehörige sollten Sie spätestens ab jetzt möglichst keinen engen Kontakt zu Dritten auch aus der eigenen Familie haben, um diese nicht einem höheren Infektionsrisiko auszusetzen.
  • Besprechen Sie mit einer Fachperson Ihres Vertrauens (Hausärztin /Pflegepersonal, wie die Betreuung am besten durchführbar ist.

Der Super-Gau: Sie können die Pflege zuhause nicht mehr selbst übernehmen!

Wenn der Demenzkranke und die Pflegeperson in einem Haushalt leben und letztere an einer Infektion erkrankt, sollte bereits ein Notfallplan vorliegen. Wer könnte die Pflege in der Zeit übernehmen? Welche Ausweichmöglichkeiten haben wir? Eine Art Tagesprotokoll ist hierbei sinnvoll:

  • Wann erfolgen welche Tätigkeiten?
  • Was muss besonders beachtet werden? Irgendwelche zusätzlichen chronischen Erkrankungen?
  • Welche Vorlieben und Abneigungen hegt der Patient?
  • Hobbies, Essen, andere Beschäftigungen etc. sollten bereits festgehalten werden.
  • Ebenso sollte ein Medikamentenplan vorliegen.

Hilfestellungen und Anleitung für die Erstellung und Umsetzung eines Notfallplans finden Sie auch bei der Alzheimer-Gesellschaft und in deren zahlreichen Selbsthilfegruppen. Scheuen Sie sich nicht, um Hilfe zu bitten. Derzeit gibt es Telefonsprechstunde in Ludwigshafen jeden dritten Freitag im Monat. Auch psychische Einrichtungen, wie in Mannheim das ‚Zentralinstitut für seelische Gesundheit‘ (ZI) bieten Hilfestellungen an oder die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Aber auch die jeweiligen Landesregierungen. Hier die Links zu Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

Denken Sie RECHTZEITIG an eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht!

Diese zwei Dokumente sind heutzutage ein MUSS für Jeden. Und denken Sie daran sich damit zu beschäftigen, solange Sie noch einigermaßen gesund sind. Denn wird eine Patientenverfügung oder andere Dokumente angefertigt sobald auch nur der geringe Verdacht einer psychischen Erkrankung vorliegt, hat das Dokument in der Regel keinen Bestand.

Ein Videoanruf kann Abwechslung bringen

Schon im letzten Beitrag habe ich unterstrichen, wie wichtig die fortschreitende Digitalisierung auch in der Pflege und der Betreuung von kranken Menschen ist, denn in einer derartigen Ausnahmesituation wie der Corona-Pandemie, könnten Videoanrufe zumindest für eine kurze Zeit, die Stimmung lockern und besonders demenzkranke Menschen wieder beruhigen. Auch das hilft, um mit der Situation bestmöglichst umzugehen.

Auf alle Fälle gilt: So schwer es auch fällt, lassen Sie Ihre demenzkranken Verwandten in ihrem gewohnten Umfeld! Es bedeutet für sie ungeheuren Stress, wenn man ihnen die gewohnte Umgebung entzieht.

Sie sind NICHT alleine, aber dafür müssen Sie auch leider oftmals selbst aktiv werden, in einer Zeit, die sehr schwer für Betroffene Menschen ist. Trotzdem: Verzagen Sie nicht und verlieren Sie nicht den Mut und die Zuversicht.

Bleiben Sie bitte alle gesund! Bis nächste Woche, Ihre Waltraud Gehrig