Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V


Demenz umfasst Defizite in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten und führt zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen. Vor allem sind das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache, die Motorik und bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Charakteristisch für die Demenz ist der Verlust von Denkfähigkeiten, die bereits im Lebensverlauf erworben wurden.

Die Demenz schreitet immer weiter fort und ist nicht heilbar. Jedoch erreicht man die demenzkranken Menschen immer über die emotionale Schiene. „In die Schuhe des Erkrankten schlüpfen“. Sie empfinden bis zu ihrem Tod Emotionen wie Wut, Liebe, Trauer, Emotionalität, Freude. Sie können es aber manchmal nicht mehr ausdrücken.

Seit 25 Jahren leistet die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz einen wertvollen Beitrag, um über die Alzheimer Erkrankungen und deren Folgen für Betroffene zu informieren. Der Dachverband, die deutsche Alzheimergesellschaft, hat ihren Sitz in Berlin. In den jeweiligen Bundesländern gibt es entweder landes-/ oder regionalbezogene Gesellschaften.

Seit 2013 ist Frau Bechtel Mitglied in der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz. Sie setzt sich dort für Menschen in den Selbsthilfegruppen Vorder- und Südpfalz ein und berät Angehörige.

Frau Bechtel, was hat Sie dazu bewogen, sich aktiv in der Alzheimer Gesellschaft zu engagieren?

„Ich bin beruflich in einer Firma tätig, die im Bereich Wasseraufbereitung arbeitet und bin dort für Verträge zuständig. Für mich ist mein Ehrenamt der Ausgleich zu meinem Berufsleben.“ Begonnen habe die Auseinandersetzung mit der Demenz und dem Thema Pflege bereits 1994, als ihr Vater unter anderem an dieser Krankheit litt. Nach seinem Tod erkrankte die Mutter an Demenz. In ihrer letzten Lebensphase waren es die demenzkranken Menschen, die sie trösteten. „Das habe ich bewundert. Diese Menschen haben solch feine Antennen und reagieren auf Stimmungen in einer ganz besonderen Art und Weise. Gerade in der letzten Lebensphase meiner Mutter konnte ich mich bei diesen Menschen fallen lassen und ein wenig Kraft tanken.“ Sie habe sich selbst das Versprechen gegeben, dass sie einen Teil ihrer Zeit diesen Menschen zur Verfügung stellt, wenn die eigene Pflegesituation beendet ist und dieses Versprechen hat sie bis heute gehalten. Die positiven Erfahrungen, die sie in den letzten 10 Jahren mit diesen Menschen machen durfte habe sie stark geprägt und sie in positiver Weise selbst verändert.

Vielfältiges Angebot für demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen

„Nur gesunde Menschen können gut pflegen. Es ist wichtig, sich auch um die pflegenden Menschen zu kümmern und sie zu entlasten.“ Daher werden Menschen, die Demenzkranke pflegen, sowohl schriftlich, telefonisch oder persönlich bei der Alzheimer-Gesellschaft u.a. durch Frau Bechtel beraten. Im Raum Ludwigshafen hat sie gemeinsam mit einer Ärztin ein Pilot-Projekt initiiert, das Angehörige von an Demenz erkrankte Menschen bereits bei den ersten Veränderungen und/oder in der ersten Zeit nach Diagnoseerstellung aktiv begleitet, nämlich die ‚Hausärztliche Demenzsprechstunde‘. Der Hausarzt ist in der Regel die erste Anlaufstelle und bereits hier werden die Weichen für eine erfolgreiche und zielgerichtete Betreuung der Angehörigen und der Erkrankten gestellt. Leider widmen sich bis heute nur wenige Ärzte diesem Thema. Mehr Aufklärung, Offenheit und Bereitschaft Neues auszuprobieren wünscht sich die engagierte Beraterin seitens der Mediziner.

Wichtig ist auch die generelle Aufklärung und Bewusstseinsförderung zum Thema Demenz in allen Bereichen der Gesellschaft sowie öffentliche Einrichtungen, Verwaltungen, Nahverkehr, Banken und vieles mehr. Die Alzheimer Gesellschaft bietet Vorträge und Schulungen für Mitarbeiter an, wie man mit Kunden kommunizieren und umgehen kann, wenn sie an Demenz erkrankt sind.

Den gesamten Schulungs- und Informationsumfang der Alzheimergesellschaft Rheinland-Pfalz e.V., sowie geplante Veranstaltungen finden Sie unter http://www.alzheimer-gesellschaft-rhpf.de/portal/fep/de/dt.jsp sowie auf Frau Bechtels eigener Webseite (www.demenz-bechtel.de).

Selbsthilfegruppen – ein wichtiger Rückzugsort für Angehörige

Alleine in Rheinland-Pfalz sind 24 Selbsthilfegruppen aktiv und begleiten Angehörige von demenzkranken Menschen. Alle Gruppen werden von ehrenamtlichen Personen organisiert und geleitet. Frau Bechtel steht ihnen in der Vorder- und Südpfalz mit Rat und Tat zur Seite, leitet aber auch selbst eine Gruppe in Ruchheim. Die Gruppengrößen sind unterschiedlich und reichen von ca. 5-20 Personen. Die Treffen finden einmal im Monat statt. In Regel zum selben Wochentag und Zeitpunkt, denn Pflege von kranken Menschen erfordert nicht nur viel Engagement, sondern auch Organisation und Zeitmanagement der pflegenden Personen. Die Gruppen finden auch in Kooperation mit der AWO oder Pflegestützpunkten und anderen Trägern, wie der Gemeinde und Kirchen statt. Wenn eine Gruppe neu gegründet wird, wird versucht, sich an die jeweiligen individuellen Bedürfnisse auszurichten. In manchen Gebieten sind mehr berufstätige Menschen in der Gruppe und in anderen Landkreisen mehr ältere Menschen.

Der Erfolg der Selbsthilfegruppen steht und fällt mit dem Engagement der Selbsthilfegruppenleiter/Innen aber auch mit der Finanzierung und dieser Punkt wird immer schwieriger zu bewerkstelligen. Auch die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz ist abhängig von Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Pflegekassen oder Finanzierung durch einzelne Projektausschreibungen. Anträge dafür müssen ausgearbeitet werden, was mitunter sehr arbeits- und zeitintensiv ist und stehen schlussendlich in Konkurrenz zu vielen anderen Organisationen und Vereinen. Zudem wurde die Landesförderung reduziert. Es wird nur noch die direkte Arbeit an und mit dem Demenzkranken Menschen durch die Landeszentrale für Gesundheit in Rheinland-Pfalz gefördert. Förderanträge für Selbsthilfegruppen können über die zuständige Krankenkasse (Förderkasse beantragt werden).

Für viele Angehörige und Pflegende sind Selbsthilfegruppen nicht mehr aus dem Leben wegzudenken. Hier können sich pflegende Menschen unkompliziert und in geschütztem Rahmen austauschen, sich neue Anregungen holen, sich gegenseitig unterstützen aber auch wertvolle Tipps erhalten, die das Leben aller Beteiligten erleichtert.

Warum sind Sie Mitglied bei den Pflegenetzwerken geworden?

Zum Schluss wollte ich von Frau Bechtel erfahren, was die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. bewogen hat, Pflegenetzwerkpartner zu werden. „Die Pflegenetzwerke scheinen mir andere Wege zu gehen, als die herkömmlichen Netzwerke. Ich denke, wir müssen neue Wege gehen, auch um uns weiter zu entwickeln. Die Kombination zwischen Beratungsangebot und der Austausch der Netzwerkpartner untereinander finde ich spannend und notwendig. Nicht zu vergessen der Aspekt der Pflege- und Gesundheitsabsicherung im Vorfeld aber auch während der Pflege, der sehr wichtig für die Betroffenen ist. All das zusammengenommen finde ich eine außergewöhnliche Kombination.“

Fazit für uns: das Engagement vieler Ehrenamtlichen ist unersetzlich für alle Betroffenen. Die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. kann sich glücklich schätzen, so engagierte Menschen, wie Frau Bechtel in ihren Reihen zu haben.

Wir bedanken uns für das Gespräch und freuen uns auf Ihre Ideen und Ihre positive Energie in den Pflegenetzwerken.